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Startseite > Wissenswertes > Fragen und Antworten zur Posaune

Vom Üben

Wer rastet, der rostet...

... und kommt auf seinem Instrument nicht weiter. Wer sein Instrument nur einmal in der Woche, im Unterricht, in die Hand nimmt, hat normalerweise das Meiste, was er eine Woche vorher gelernt hat, schon wieder vergessen. Das muss der Lehrer oder die Lehrerin dann ein zweites Mal erklären. Und ein drittes und viertes Mal, wenn der Schüler es zwischendurch nicht anwendet und dadurch übt.

Was bedeutet das für den Unterricht? Entweder braucht der Schüler für ein Stück, das er mit Üben vielleicht in zwei Wochen gelernt hätte, zwei Monate, und ist irgendwann frustriert, weil er immer das Gleiche spielen muss Oder der Lehrer reagiert darauf, indem er für diesen Schüler nur Stücke heraussucht, die so leicht sind, dass der Schüler sie in einer Unterrichtsstunde lernen kann. Besser wird er dadurch nicht. Und, ehrlich gesagt, die meisten interessanten Stücke sind nun mal nicht so leicht, dass man sie ohne Üben lernen könnte.

Üben für Anfänger

Wenn ein Kind sein erstes Instrument lernt, dann muss es auch das Üben erst lernen. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Die wichtigste Rolle dabei spielen die Eltern! Von allein denkt kein Kind ans Üben. Die Eltern müssen die Gelegenheiten schaffen, in denen das Kind zum Instrument greift. Dabei geht es gar nicht unbedingt um den mahnenden Zeigefinger, um das "Du musst üben!". Viel anregender ist es, wenn sich die Eltern das Gelernte vorspielen lassen, wenn sie loben, auch wenn die Blockflöte noch quietscht oder auf der Gitarre die Akkorde noch kaum zu erkennen sind. Warum nicht einmal mit den ersten drei Stücken ein kleines Hauskonzert für die Familie veranstalten?

Wichtig ist es auch, gute Gewohnheiten zu fördern, zum Beispiel immer nach dem Mittagessen oder vor dem Abendessen fünf Minuten zu üben. Kleine Zeitinseln für das Instrument müssten eigentlich auch zu finden sein, wenn die Tante Geburtstag feiert, wenn Besuch da ist - aber auch, wenn viele Hausaufgaben zu machen sind. Vielleicht ist es ja sogar möglich, einen Platz zu finden, an dem das Instrument fertig zusammengebaut auf seinen Spieler wartet, und wo die Noten schon bereit stehen - aber möglichst so, dass niemand beim Spielen darüber stolpert.

Wie übt ein Anfänger?

Lieber jeden Tag, dafür aber nur jeweils ein paar Minuten. Das ist besser, als an einem einzigen Tag gleich eine ganze Stunde üben zu wollen. Für den Anfang reicht es meistens, das Stück oder die Stücke, die zuletzt im Unterricht gespielt wurde, ein- oder zweimal durchzuspielen und gelegentlich auch ein älteres Stück wieder hervorzuholen, damit es nicht wieder verlernt wird.

Vielleicht gibt der Lehrer oder die Lehrerin noch zusätzliche Hinweise oder Aufgaben: Ob der Schüler erst die Notennamen oder die Griffe der Töne sagen soll, bevor er ein Stück spielt; ob eine Klavierschülerin bei einem Stück linke und rechte Hand erst einzeln üben soll.

Kurz, aber häufig zu üben ist vor allem auch bei Instrumenten wichtig, für die man sich eine gewisse Kraft erst antrainieren muss: Kein Anfänger kann von Anfang an eine Posaune eine ganze Stunde lang festhalten, kein Anfänger eine Stunde lang die richtige Lippenspannung für das Klarinettenspiel aufrechterhalten.

Üben für Fortgeschrittene

Fortgeschrittene im Teenager-Alter oder Erwachsene können sich normalerweise auch schon über einen längeren Zeitabschnitt konzentrieren, und schwierigere Stücke verlangen nach längeren Übeabschnitten, die dann vielleicht nicht unbedingt täglich sein müssen. Hierfür reicht es aber nicht mehr, ein Stück einfach mehrmals durchzuspielen. Die Art wie hier geübt werden sollte, betrifft vor allem zwei Dinge: zum einen das Beleuchten eines Stückes aus verschiedenen Perspektiven, zum anderen das Trainieren ganz bestimmter Fertigkeiten.

Als "rotierende Aufmerksamkeit" bezeichnet man es, wenn man sich beim Üben eines Stückes wechselweise auf bestimmte Aspekte konzentriert. So kann man beim ersten Durchspielen darauf achten, alle Töne richtig zu spielen, egal in welchem Tempo. Beim zweiten Durchgang konzentriert man sich auf den richtigen Rhythmus und riskiert dabei ruhig ein paar falsche Töne. Beim dritten Durchgang kann man darauf achten, eine bestimmte Spieltechnik richtig auszuführen. Und beim vierten Durchgang kann man dann versuchen, das Stück mit möglichst viel Empfindung zu spielen. Dies sind allerdings nur Beispiele: Je nachdem, welche Schwierigkeiten das Stück bereithält, kann man sich die unterschiedlichsten Aspekte für je einen Durchgang vornehmen.

Das Prinzip der rotierenden Aufmerksamkeit löst das Problem, dass sich niemand gleichzeitig auf fünf oder sechs Aspekte des Spiels gleichzeitig konzentrieren kann. Und gleichzeitig bringt es einen Spieler dazu, sein Stück mehrmals durchzuspielen, ohne dass es langweilig wird.

Richtiges Üben ist auch ein Üben für Vorderhirn, Kleinhirn und Muskeln: Diese drei Bereiche sind für das Musizieren unverzichtbar.

  • Das Vorderhirn ist für alles zuständig, was mit verstandesmäßigem Verstehen zu tun hat. Mit dem Notenlesen. Mit dem Zählen für einen sauberen Rhythmus. Mit dem Wissen, welcher Ton mit welchem Griff gespielt wird.
  • Das Kleinhirn ist für Bewegungsabläufe zuständig, die automatisch ablaufen sollen. Dies sind einmal schwere Stellen, zum Anderen aber auch Spieltechniken, z.B. das saubere Zusammenspiel zwischen Zungenstoß und Fingerbewegung bei der Blockflöte.
  • Die meisten Instrumente benötigen Muskelkraft an Stellen, die man sonst nicht oder nicht so beansprucht: die Lippenmuskulatur bei den meisten Blasinstrumenten, Fingerkraft z.B. beim Klavier. Ohne diese Muskelkraft in den Lippen kann der Blechbläser keine hohen Töne spielen und ist schon nach kurzer Zeit ohne Ansatz.

Effektiver, als ein Stück einfach mehrmals zu spielen, ist es, wenn man diese Bereiche einzeln durch geeignete Übungen anspricht.

Das Vorderhirn, der Verstand, kann einem helfen, das Stück zu verstehen. Wer auf die Vorzeichen achtet, der weiß, auf welche Töne er gefasst sein muss. Wer den Aufbau des Stückes versteht, der weiß, wo sich Teile wiederholen, die er dann nicht extra üben muss, und findet Eselsbrücken, wie man sich bestimmte Tonfolgen besser merken kann.

Tonleiterübungen sind bei Schülern meistens unbeliebt. Aber sie fordern erst einmal das Vorderhirn und dienen dann, wenn man sie oft genug wiederholt, dazu, häufig vorkommende Griffkombinationen zu automatisieren. Schwere Stellen sollte man herausgreifen und erst langsam, dann immer schneller üben. Bestimmte Übungen dienen dazu, dass wichtige Spieltechniken einem in Fleisch und Blut übergehen. Leider funktioniert das Automatisieren nur, wenn man eine Stelle, eine Übung wirklich sehr, sehr oft gespielt hat. Dann aber wird man damit belohnt, dass man mit traumwandlerischer Sicherheit auch Stücke spielt, die für das Vorderhirn, das logische Denken viel zu schnell sind.

Auch die Muskelkraft kann man durch spezielle Übungen am Instrument trainieren. Dabei ist es aber auch wichtig, sich nicht zu überanstrengen. Der Bläser sollte nicht so lange üben, bis die Lippen wund sind, der Klavierspieler keine Sehnenscheidenentzündung riskieren. Es gibt allerdings auch Übungen ohne Instrument, die man in den Alltag integrieren kann. Der Bläser kann seine Lippenmuskulatur durch einen bestimmten Gesichtsausdruck in unbeobachteten Momenten üben, die Klavierspielerin ihre Fingerkraft, wenn sie die bogenförmigen Finger gegeneinander bzw. am Tisch drückt.

Üben und Lernfortschritte

Manchmal geht es mit dem Lernen ganz schnell voran, und manchmal hat man das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Wenn man das Gefühl hat, keine Fortschritte zu machen, muss das allerdings nicht unbedingt heißen, dass man nicht genug oder nicht richtig übt. Beim Lernfortschritt gibt es immer wieder Plateaus, das ist ganz normal. Und vielleicht hat man gerade eines erreicht. Das ist ganz normal. Und es wird schon wieder weiter aufwärts gehen, wenn man sich jetzt nicht entmutigen lässt

Wie kommt das?

Eventuell hat man zu Anfang jede Woche einen neuen Ton gelernt, aber jetzt spielt man schon seit Wochen immer mit den gleichen fünf Tönen? Nun, hier tritt man nur scheinbar auf der Stelle. Hier geht es zunächst mal um die Absicherung der Gelernten, bis es selbstverständlich wirkt. Und: Vielleicht liegt der Fokus des Lehrers zur Zeit auf anderen Dingen: Notenlesen, rhythmisches Empfinden, Zusammenspiel... Solche Fälle gibt es natürlich auch noch auf "höheren" Niveaus. Jeden erreichten Stand muss man zuerst absichern, damit er ein stabiles Fundament wird, auf dem dann der nächste Fortschritt aufbauen kann.

Und wenn ein Stück gar nicht klappen will, sollte man sich nicht verbeißen. Manches schwere Stück erscheint später als leicht, wenn man es wieder aufgreift, wenn man das, was einem daran schwerfiel, an anderen Stücken gelernt hat. Und dann entdeckt man vielleicht auch Nuancen an dem Stück, die einen zuvor hoffnungslos überfordert hätten.

Wie wärme ich ein Stück wieder auf?

Wenn man ein Stück nach langer Zeit das erste Mal spielt, dann kann es sein, dass das Kleinhirn einige schwere Stellen noch gespeichert hat. Es geht vielleicht überraschend gut - so lange, bis man rauskommt. Und dann geht es einem wie dem Tausendfüßler, der gefragt wurde, mit welchem Bein er anfängt zu laufen: Man weiß nicht, wie man das gemacht hat, was eben noch unerklärlich leicht schien. Und kommt ins Stolpern und Stocken. Wichtig ist dann, das Stück so zu behandeln, als wäre es einem fremd. Alles langsam durchzuspielen, dem Vorderhirn Gelegenheit geben, das Kleinhirn einzuholen. Alle Bewegungsabläufe ganz bewusst wahrzunehmen.

Wenn man regelmäßig ältere Stücke wiederholt, dann bewirkt man auch, dass diese schließlich dauerhaft abrufbar sind. Damit eine Information, sei es eine Telefonnummer oder ein Musikstück, vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis gelangt, muss sie immer wieder benutzt werden. Für die erste Stufe auf diesem Weg darf vielleicht nur höchstens eine Minute Pause zwischen den Wiederholungen liegen. Mit der Zeit können und sollen dann die Abstände länger werden, erst ein Tag, ein paar Wochen, bis es irgendwann reicht, ein Stück nur etwa einmal im Jahr herauszuholen, damit es im Langzeitgedächtnis bleibt.

Üben und der liebe Nachbar

"Musik wird als störend oft empfunden,
dieweil sie mit Geräusch verbunden."

Wilhelm Busch

Wer im Mietshaus wohnt, der macht sich wahrscheinlich auch Gedanken, was seine Nachbarn von seinem Üben halten. Ein Grund, nicht zu üben, ist das aber nicht. Denn in Deutschland hat jeder das Recht, zwei Stunden täglich ein Instrument zu spielen - auch im Mietshaus. Rücksicht nehmen muss er nur auf bestimmte Ruhezeiten. Davon abgesehen, kann man sich meist auch mit seinem unmittelbaren Nachbarn absprechen: ob er Mittagsschlaf hält oder früh ins Bett geht, oder ob er zu bestimmten Zeiten sowieso nicht da ist.

Bei manchen ist allerdings weniger das Problem, dass sie ihr Recht nicht kennen, sondern eher die Angst, sich vor den Nachbarn zu blamieren, vor allem, wenn man auf seinem Instrument noch ein Anfänger ist. Hier hilft es vielleicht, sich klarzumachen, dass man noch lange ein Anfänger bleiben wird, wenn man sich nicht traut zu üben. Und außerdem gibt es für schwierige Wohnsituationen bei den meisten Instrumenten Möglichkeiten, die Lautstärke einzugrenzen.

Ganz leicht hat man es bei allen Instrumenten, bei denen es elektronische Varianten gibt. Ein Keyboard oder auch ein E-Piano lassen sich mit Kopfhörer komplett lautlos üben. Auch eine E-Gitarre ist kaum zu hören, wenn man in den Verstärker einen Kopfhörer steckt. Und sogar das Schlagzeug gibt es als elektronische Version.

Gute Karten hat man auch bei den Blechblasinstrumenten: Hier gibt es sogenannte Übedämpfer, die einen Großteil der Lautstärke schlucken. Und da man damit gleichzeitig übt, gegen einen größeren Luftwiderstand zu spielen, wird man gleichzeitig noch mit einem umso größeren Ton belohnt, wenn man den Dämpfer dann wieder weglässt.

Bei manchen Instrumenten gibt es jedoch keine Möglichkeit, die Lautstärke zu dämpfen. Wer dann kein ausreichend dickes Fell hat und den Gedanken an die Nachbarn nicht loswird, der kann trotzdem mit kleinen Tricks doch noch etwas erreichen. Wer ein Instrument hat, das fest in einem Raum steht (ein Klavier oder ein Schlagzeug etwa), kann es auf einen dicken Teppich stellen; dadurch werden die Schwingungen nicht so stark in den Fußboden weitergeleitet. Ein weiterer Teppich, der an der Wand befestigt wird, an der das Instrument steht, filtert weiteren Schall. Möbel in unserem Überaum und weiche Oberflächen wie etwa Vorhänge schlucken ebenfalls Schall. Für extreme Fälle ist es möglich, kleine schallisolierte Übekabinen in einen Raum einzubauen, aber das dürfte für Hobby-Musiker unnötig sein.