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Fragen und Antworten zur Posaune

Wer ein Instrument erlernen möchte, braucht ganz unterschiedliche Informationen, bevor er (oder sie) sich für oder gegen ein bestimmtes Instrument entscheiden kann. Über die Posaune wissen viele Menschen nichts oder nur wenig. Deshalb habe ich hier die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Ist die Posaune schwer?
Meine Posaune hat beim Einchecken auf dem Flughafen samt Koffer 6,5 kg gewogen. Meine Posaune selbst wiegt fast 2 kg. Das ist schon ein ziemliches Gewicht. Aber daran gewöhnt man sich schnell; sogar Fahrrad fahren kann ich mit der Posaune. Ob die Posaune schwer zu spielen ist, ist schon wieder eine andere Frage. Die Tonerzeugung ist leichter als bei der Trompete, aber auch hier braucht es seine Zeit, bis ein Anfänger die Töne kontrollieren, seinen Tonumfang ausbauen und seinen Klang verbessern kann. Wie bei allen Blechblasinstrumenten kann man auf einer Position mehrere Töne spielen, das ist für manche Anfänger schwierig zu begreifen. Aber wer singen kann, kann auch bei der Posaune schnell lernen, bei den Tönen die richtige Tonhöhe zu treffen. Schnelle Finger braucht man bei der Posaune nicht, da man keine Klappen oder Tasten hat, dafür findet bei uns alles über den Ellenbogen statt. Fazit: Wer sich darauf einstellt, dass man bei der Posaune fast alle Aspekte des Spiels selbst kontrolliert, und fast nichts mechanisch voreingestellt ist, wird sich mit der Posaune bald zurechtfinden.

Ist die Posaune ein Männerinstrument?
Diese Frage versteckt sich oft hinter der Frage, ob die Posaune "schwer" ist. Die Vorstellung, dass manche Instrumente "Männerinstrumente" und andere "Fraueninstrumente" seien, stammt noch aus alten Zeiten, etwa dem 19. Jahrhundert. Manche Instrumente, zum Beispiel das zwischen die Beine geklemmte Cello, vertrugen sich nicht mit dem züchtigen Benehmen, das damals von Frauen erwartet wurde. Andere Instrumente wurden vor allem in einem Kontext gespielt, in dem man sich Frauen nicht vorstellen mochte, etwa bei der Militärmusik. Heute haben wir solche Vorstellungen überwunden, und selbstverständlich spielen heute auch Frauen Posaune, genauso wie die Männer, als Orchestermusikerinnen, als Solistinnen, als Dozentinnen an Musikhochschulen.

Was für Posaunen gibt es? Welche ist für mich geeignet?
Die heute üblichste Posaune ist die Tenorposaune in B, das heißt, bei vollständig eingezogenem Zug erklingt als tiefster Ton ein B. Bei der Tenorposaune kann man noch wählen zwischen Instrumenten mit Quartventil und ohne Quartventil. Das Quartventil, das mit dem linken Daumen bedient wird, erspart dem Spieler die tiefsten Zugpositionen und erweitert den Tonumfang nach unten. Ein Quartventil ist ein Muss für Kinder oder kleine Erwachsene, deren Arme zu kurz sind, um auf der Tenorposaune alle Zugpositionen zu erreichen. Daneben ist ein Quartventil aber auch zu empfehlen, wenn ein Spieler häufig in der tiefen Lage spielt und auch dort schnelle Passagen ohne Probleme spielen möchte. Ein großgewachsener Erwachsener kann grundsätzlich aber auch auf ein Quartventil verzichten.
Die Bassposaune war früher wesentlich größer als die Tenorposaune. Heutzutage wird sie in der gleichen Stimmung gebaut wie die Tenorposaune mit Quartventil, nur mit deutlich weiterem Durchmesser. Dadurch wird der Klang weicher, auch in der tiefen Lage tragfähiger, und er mischt sich besser mit dem Klang anderer Instrumente. Außerdem haben Bassposaunen zusätzlich zum Quartventil oft noch ein Quintventil. Eine Bassposaune ist sinnvoll für einen erfahrenen Spieler, der sich in seinem Ensemble oder Orchester auf die tiefen Lagen spezialisiert hat.
Die Altposaune ist ein gutes Stück kleiner als die Tenorposaune, ihr Grundton ist meistens Es. Altposaunen werden häufig im Orchester gebraucht, um auch Posaunenstimmen in hoher Lage sicher spielen zu können. Daneben bietet sich die Altposaune aber auch für sehr junge Schüler an, die unbedingt Posaune lernen möchten, denen man das Gewicht der Tenorposaune mit Quartventil aber zunächst nicht zumuten möchte.
Die Renaissance-Posaune, auch Barock-Posaune oder engmensurierte Posaune ist eine Posaune mit sehr engem Durchmesser, wie sie in Renaissance und Barock gespielt wurde. Ein solches Instrument wird von Mitgliedern von Ensembles für Alte Musik gespielt.

Was kostet eine Posaune?
Ich gehe hier mal nur von der "gängigen" Posaune, der Tenorposaune mit und ohne Quartventil aus.
Billiginstrumente werden mittlerweile für knapp unter 100 Euro (ohne Quartventil) bzw. ca. 200 Euro (mit Quartventil) angeboten. Bei solchen Angeboten sollte man allerdings nur dann zugreifen, wenn man entweder im Geschäft die Posaune anspielen kann, oder wenn man eine angemessene Umtauschfrist hat, innerhalb derer man das Instrument bei Nichtgefallen einfach zurückgeben kann. Anfänger sollten hierzu ihren Lehrer oder einen erfahrenen Spieler mit hinzuziehen. Achten sollte man bei solchen Instrumenten nicht nur darauf, ob der Zug gut läuft und das Instrument insgesamt gut verarbeitet ist, sondern auch etwa auf die Stimmung: Wenn sich die Posaune nicht auf 440 Hz oder höher stimmen lässt, macht es das Zusammenspiel z.B. mit einem Klavier fast unmöglich.
Bei gebrauchten Posaunen sollte man darauf achten, dass der Zug leichtgängig ist und dass alle Lötstellen dicht sind. Ideal ist es, wenn vor dem Kauf ein Instrumentenbauer um Rat gefragt werden kann. Der Preis kann hierbei zwischen 50-70 Euro für das Flohmarkt-Schnäppchen und knapp unter dem Neupreis bei gut gewarteten Qualitäts-Instrumenten liegen.
Anfängerinstrumente, die von renommierten Firmen wie etwa Jupiter oder Yamaha angeboten werden, lassen sich dagegen meist bedenkenlos kaufen. Der Preis für Einsteigerinstrumente von Jupiter liegt zur Zeit etwa bei 500-700 Euro (ohne Quartventil) bzw. 1200 Euro (mit Quartventil).
Das Profi-Segment beginnt bei den renommierten Firmen meist bei etwa 1500 Euro (ohne Quartventil) bzw. 1800 Euro (mit Quartventil). Wie bei anderen Instrumenten ist hier aber auch die Grenze nach oben offen, vor allem, wenn noch Sonderwünsche wie besondere Legierungen für das Material und andere Dinge dazu kommen.

Seit wann gibt es die Posaune?
Die Posaune gehört zu den Instrumenten, die am frühesten ihre endgültige Form fanden und am längsten ohne große Veränderungen in Gebrauch sind. Sie entwickelte sich wohl um das Jahr 1480 aus der Zugtrompete, einem Fanfaren-ähnlichen Instrument, das als Ganzes an einer Verlängerung des Mundstücks verschoben wurde. Die Posaune spielte damals vor allem mit Schalmeien und Pommern (den Vorläufern der Oboe) und Dulzianen (den Vorläufern des Fagotts) zusammen, galt im 16. und 17. Jahrhundert allerdings auch als ein Instrument von "mittlerer Lautstärke", das mit Violinen und Gesang kombiniert werden konnte. Seit ihrer Erfindung hat sich an ihr nur wenig verändert: Im 19. Jahrhundert wurde der Durchmesser größer, und es konnte ein Quartventil hinzugefügt werden.

Was für Musik spielen Posaunen?
Es gibt eigentlich kaum eine Stilistik, bei der Posaunen keinen Platz hätten. In Alte-Musik-Ensembles, für Galliarden und Canzonas der Renaissance-Zeit, für barocke Motetten und Kantaten spielt die engmensurierte Posaune. In das Sinfonieorchester gehören während der Klassik gelegentlich, während der Romantik und der Moderne häufig drei Posaunen, im sinfonischen Blasorchester eigentlich immer. Im Jazz kann die Posaune in kleinen Besetzungen als Soloinstrument auftreten, in die Big Band gehören vier Posaunen. Selbst in der modernen Pop-Musik ist sie zu hören: Größere Bands haben auch Bläser - eine Trompete, ein Saxophon, eine Posaune. Kleine Blechbläserbesetzungen spielen Originalkompositionen und Arrangements verschiedenster Zeiten und Stile. Auch der Posaunenchor der Kirchen ist so eine kleine Blechbläserbesetzung. Selbst beim Klezmer werden Posaunen eingesetzt. Und nicht zuletzt gibt es die unterschiedlichste Solo-Literatur für die Posaune, zum Teil original, vieles aber auch Bearbeitungen von Stücken für andere Instrumente.

Spielt die Posaune eigentlich immer nur Begleitung?
Anders als bei den Instrumenten in hoher Tonlage ist es bei der Posaune leider nicht selbstverständlich, auch Melodie spielen zu dürfen. Aber "immer nur Begleitung" trifft es auch nicht. Bei Solo-Stücken (mit Klavierbegleitung) hat die Posaune natürlich die ganze Zeit die Melodie. Aber auch im Ensemble oder im Orchester vermeiden gute Komponisten die Langeweile, indem sie nicht immer nur die hohen Stimmen die Melodie spielen lassen, sondern ab und zu auch die tiefen Stimmen, etwa die Posaunen. Aber Hand aufs Herz: Wir sind häufig doch auch froh, wenn wir uns immer mal wieder im Gesamtklang verstecken können. Und so manche Begleitstimme kann auch ganz interessant sein, wenn das Stück gut komponiert ist.

Ab welchem Alter kann man mit der Posaune anfangen?
Bei der Posaune ist ein zu früher Anfang nicht zu empfehlen. Schwierigkeiten können z.B. eine zu geringe Größe des Kindes, fehlende Schneidezähne oder eine Zahnklammer sein. In vielen Fällen wird es sinnvoll sein, hier noch etwas zu warten. Andererseits: Wichtiger als Körpergröße oder perfekte Zahnstellung ist für den Erfolg, dass man mit Spaß und Motivation bei der Sache ist. Und wenn die da ist, sollte man sie ausnutzen, egal wie alt oder jung der Interessent ist. Bei ausreichender Begeisterung lassen sich eventuelle Schwierigkeiten auch ausräumen: Wenn für einen kleinen Schüler die Quartventilposaune noch zu groß und zu schwer ist, kann die Altposaune eine gute Alternative sein. Probleme mit den Zähnen machen es nötig, so bald wie möglich den wichtigen druckschwachen Ansatz zu erlernen. Übrigens: Auch als Erwachsener, ja sogar als Senior kann man noch ein Instrument erlernen, und gerade auch die Posaune.

Wie entsteht der Ton?
Der Ton entsteht nicht im Instrument, deshalb kann man die Tonerzeugung auch ohne Instrument ausprobieren. Wichtig ist es, die Lippen zum Schwingen zu bringen. Dazu macht man den Mund zu und pustet mit geschlossenem Mund so, dass die Lippen anfangen zu schwingen und ein Ton entsteht, der ungefähr wie das Summen einer Hummel klingt. Wenn es nicht klappt, kann man auch versuchen, zuerst ein süßsaures Lächeln zu machen (als hätte jemand einen SEHR schlechten Witz erzählt). Die Tonerzeugung ist übrigens bei allen Blechblasinstrumenten die gleiche, nur dass man bei der Trompete die Lippen stärker anspannen muss, damit der Ton höher klingt.

Sie haben noch eine Frage zur Posaune, die hier nicht beantwortet wurde? Mailen Sie sie mir! Wenn sich Ihre Frage mit ein paar Sätzen beantworten lässt und auch für andere Leserinnen und Leser interessant ist, beantworte ich sie auf dieser Seite.

Tenorposaune und Altposaune


Detail einer antiken deutschen Posaune mit Quartventil
Karen Thöle beim Posaunespielen
Ein Posaunist in einem Ensemble des 16. Jahrhunderts
Ein Neunjähriger mit seiner Altposaune